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THEMA A

Klaus-Peter Dahm

 

KLIMAWANDEL UND ENERGIEWENDE

Stand: November 2016

 

 

Warum eine Prüfung der Annahmen und Modelle notwendig ist

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin kein „richtiger“ Klimaforscher und auch kein Energietechniker, sondern ein Geowissenschaftler mit breit gefächerten Interessen, der sich mit der Klimafrage seit 2007 und mit der Energiewende in Deutschland seit 2012 befasst. Allerdings gehört die Klimaforschung zu den Geowissenschaften und insofern müssen Klimaforscher schon akzeptieren, wenn Geowissenschaftler einen kritischen Blick auf ihre Ergebnisse und Modelle werfen. In der Diskussion um die Energiewende in Deutschland spielen auch die Energierohstoffe eine Rolle, und von Rohstoffen verstehe ich wiederum etwas. Außerdem verfüge ich über einen gesunden Menschenverstand, und diesen sollte man hier – wir habe es nicht mit Quanteneffekten zu tun(!) – durchaus anwenden. Einiges, was uns zum Klimawandel und auch zur Energiewende erzählt wird, hat nämlich mit Logik und Sachlichkeit nur wenig zu tun. Damit meine ich durchaus auch die Verlautbarungen einiger führender Klimaforscher und Energiefachleute in Deutschland.

Um dies ebenfalls gleich vorweg zu nehmen: Ich bin kein Lobbyist der Öl-, Kohle- oder Nuklearindustrie und ich bin, obwohl schon pensioniert, keinesfalls senil. Was ich wirklich bin: Ich bin verärgert; verärgert über die vielen Halbwahrheiten und Unwahrheiten, die beim Thema Klima und Energie im Umlauf sind. Ich habe lange gezögert und mich gefragt, ob ich mir das antun und Kritik am inzwischen quasi heiliggesprochenen Modell vom menschlich verursachten Klimawandel und der Energiewende in Deutschland üben soll. In Deutschland werden Kritiker der Klima- und Energiepolitik ja stigmatisiert: dumm und reaktionär, Lobbyisten der „alten Industrien“ usw. Im vorigen Jahr habe ich dann aber doch zusammen mit Dr. Detlef Laves und Prof. Wolfgang Merbach eine Broschüre zum Klimawandel herausgebracht – ich war hier der federführende Autor – und im September 2016 eine umfassende Analyse zum Klimawandel und zur Energiewende veröffentlicht. Ich prüfe in diesem letzteren Buch alle wesentlichen Annahmen, die dem Klimaschutz und der Energiewende zugrunde liegen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob eine derartige Prüfung überhaupt noch nötig ist. Zumindest in der Klimafrage ist der Zug doch abgefahren! Ende letzten Jahres haben schließlich nahezu alle Länder in Paris ein Abkommen zum Klimaschutz beschlossen und die Mehrheit der Länder hat dieses Abkommen inzwischen auch ratifiziert. Es ist jetzt in Kraft getreten. Auf der Weltklimakonferenz 2016 in Marrakesch/Marokko geht es allein um die Umsetzung dieses Abkommens von Paris. Politisch ist das Klimathema also „durch“; wissenschaftlich aber keinesfalls, und die finanziellen Folgen des Abkommens von Paris werden die Industriestaaten, darunter Deutschland, noch lange spüren.  Schließlich haben sie zugesagt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar in einen Klimafonds einzuzahlen; ab 2025 soll dieser Fonds sogar noch aufgestockt werden. Insofern kann uns die Klimafrage nicht gleichgültig lassen. Die Energiewende in Deutschland mit ihren ständig steigenden Belastungen für jeden Bürger bietet ohnehin immer wieder Anlass für Kontroversen. Oft wird aber vergessen, dass das Klimaschutz-Anliegen der Ausgangspunkt für die deutsche Energiewende war; die Havarie des Kernkraftwerkes Fukushima-Daiichi im Jahre 2011 führte dann allerdings zur erheblichen Beschleunigung dieses Vorhabens.

Ist aber die Annahme, der Mensch sei der Verursacher des heutigen Klimawandels, wirklich gesichert, also „wissenschaftlich bewiesen“?  Richtig ist, dass die Mehrheit der Klimaforscher diese Annahme vertritt. Und diese Annahme, das Anthropogen Global Warming Model (AGW-Model – Modell von der menschlich verursachten globalen Erwärmung) ist auch auf den ersten Blick durchaus einleuchtend: Nicht nur die Globaltemperatur hat sich im letzten Jahrhundert leicht erhöht, sondern auch die Konzentration an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre. Und CO2 ist ein infrarotaktives Gas („Treibhausgas“), ein zur Erwärmung führendes Gas also, das sich wohl vor allem durch unsere wirtschaftliche Tätigkeit in der Atmosphäre anreichert. Eine Kausalität von Mensch und Erderwärmung scheint somit gegeben zu sein.

Warum dann noch immer Zweifel? Sind es nur die ewig Gestrigen und Lobbyisten, die den Klimawandel leugnen („Klimaleugner“) oder zumindest skeptisch sind („Klimaskeptiker“) oder gibt es doch wissenschaftliche Gründe für den Zweifel am heute favorisierten Modell vom menschlich verursachten Klimawandel? Wenn wir einmal davon absehen, dass der Zweifel, die Skepsis, ein wesentliches Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens ist und auch sein muss – bei komplexen Sachverhalten kann sich ein Wissenschaftler nie völlig sicher sein, dass sein Modell oder auch seine bereits bewährte Theorie den Sachverhalt richtig beschreibt – so gibt es im Falle des Klimawandels durchaus Aspekte, die Zweifel am AGW-Modell aufkommen lassen. Allgemein bekannt ist die Tatsache, dass Klimawandel kein neues Phänomen ist, sondern sich das Klima in der Erdgeschichte (und diese währt immerhin bereits 4,6 Milliarden Jahre) schon viele hunderttausend Male geändert hat. Die früheren Klimaveränderungen können aber nicht durch den Menschen verursacht worden sein. Entgegen zahlreichen Behauptungen unterscheidet sich der heutige Klimawandel jedoch nicht signifikant von den früheren Veränderungen!

Weniger bekannt ist die Tatsache, dass wir heute keinesfalls einen CO2-Überschuss in der Atmosphäre haben, wie immer behauptet wird. Im Gegenteil ist CO2 heute noch immer in deutlich geringerer Konzentration in der Atmosphäre enthalten als dies während der langen Klimageschichte der Normalfall war. Der heutige CO2-Gehalt der Atmosphäre hat sich zwar gegenüber der vorindustriellen Zeit leicht erhöht, liegt aber mit 0,04% nur bei ca. einem Drittel oder maximal der Hälfte des Durchschnittswertes im Verlaufe der Klimageschichte, die wir zumindest für das Phanerozoikum (ab 541 Millionen Jahre vor heute) hinreichend genau rekonstruieren können. Trotz der im Allgemeinen deutlich höheren atmosphärischen CO2-Konzentrationen in der Erdgeschichte traten aber immer wieder langanhaltende globale Eiszeiten auf!

Schon dies zeigt, dass das Modell vom CO2-verursachten Klimawandel einer ernsthaften Prüfung unterzogen werden muss. Der sogen. Konsens in der Klimaforschung reicht nicht für eine Verifizierung dieses Modells. Die Klimaforschung ist ein Teilgebiet der Geowissenschaften, wie eingangs betont, und in den Geowissenschaften war es noch vor 50 Jahren Konsens, dass ein Auseinanderdriften der Kontinente nicht mehr als eine abwegige Idee von Alfred Wegener darstellt. Heute wissen wir, dass A. Wegener im Wesentlichen Recht hatte. Selbst wenn uns die Wissenschaftsgeschichte nicht zeigen würde, wie wenig man auf den Konsens von Wissenschaftlern geben kann – Beispiele finden sich auch in anderen Disziplinen der Naturwissenschaften einschließlich der Physik –, so gebietet es die wissenschaftliche Ethik, dass neue Hypothesen „auf Herz und Nieren“ geprüft werden müssen. Dies gilt umso mehr, wenn sie derartig gravierende Auswirkungen wie das AGW-Modell haben, also die Grundlage des Klimaschutzes mit seinen enormen finanziellen Lasten bildet. Im Übrigen gilt aus wissenschaftstheoretischer Sicht heute das Prinzip der Falsifikation einer Hypothese oder auch eines schon anerkannten Modells bzw. einer Theorie. Es ist zu prüfen, ob sich das Modell/die Hypothese/Theorie widerlegen lässt. Natürlich wird das der Vertreter eines bestimmten Modells in der Regel nicht gern selbst tun. Schließlich möchte er, dass sich sein Modell als wahr erweist; er wird also intensiv an der Verifizierung des Modells arbeiten, sollte aber akzeptieren, dass dann andere Wissenschaftler das „Gerichtsverfahren der Falsifikation“ durchführen. Leider behindern Umweltpolitik und etablierte Klimaforschung derartige Bemühungen. In Deutschland wurde sogar die einzige ernst zu nehmende institutionelle Klima-Forschungsgruppe (in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover), welche nicht vorbehaltlos das AGW-Modell vertrat, aufgelöst. Kritische Journalisten und Wissenschaftler wurden vom Bundesumweltamt im Mai 2013 ernsthaft gerügt. Schließlich sei „wissenschaftlich anerkannt“, dass es einen Klimawandel gäbe und dieser Klimawandel durch den Menschen verursacht wird.

Wir wissen aber schon aus den gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen, wie wichtig Kritik und Opposition sind. Selbst in der Experimentalphysik gilt das Prinzip von Wettbewerb und Konkurrenz und zwar nicht nur im Vergleich der Institute und Forschungseinrichtungen, sondern selbst innerhalb von Einrichtungen. So arbeiten am europäischen Teilchenbeschleuniger LHC des CERN bei Genf zwei unabhängige und in wissenschaftlicher Konkurrenz stehende große Forschungsgruppen mit je einem eigenen Detektor (ATLAS und CMS) an den gleichen Forschungsproblemen. Derzeit ist dies vor allem die Suche nach der Supersymmetrie. Selbst in der exakten Experimentalphysik vertraut man also nicht nur einer Forschungsgruppe! In der Klimaforschung, deren Forschungsgegenstand zu den komplexesten Objekten in der unbelebten Natur zählt, reicht dagegen der Konsens einer Mehrheit von Forschern?

Ich habe versucht, das heute übliche Prüfverfahren der Falsifikation sowohl für den Klimawandel als auch für die Energiewende in Deutschland durchzuführen. Im Teil I (Klimawandel) wurden untersucht: Die globale Temperaturentwicklung, andere Klimaphänomene, Treibhausgase/CO2 sowie natürliche Faktoren/Sonne.  Im Teil II (Energiewende) wurden geprüft: Die Vorratssituation herkömmlicher Energierohstoffe, die Gefährlichkeit der Kernenergie sowie die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit der erneuerbaren Energien.

Nachfolgend werde ich die Ergebnisse dieser Prüfung, ausgehend von meinem Buch „Vom Klimawandel zur Energieende – Eine umfassende Prüfung der zugrundeliegenden Annahmen“ (Dahm 2016), stark zusammenfassend darstellen. Die Prüfung basiert im Teil I auf Angaben aus der wissenschaftlichen Literatur und Fachbuchpublikationen, mitunter auch auf Websites von Wissenschaftlern. Prüfgegenstand sind die letzten Berichte des IPCC. Im Teil II wurden neben Angaben aus der wissenschaftlichen Literatur verstärkt auch Berichte und Statistiken zuständiger Ministerien und Ämter sowie Organisationen der UN herangezogen. Prüfgegenstand sind Beschlüsse und Verlautbarungen der deutschen Regierung zur Energiewende.  Alle Quellen sind detailliert im o. g. Buch aufgeführt; hier werden sie nur ausnahmsweise genannt. In einigen wenigen Fällen gehe ich auch auf aktuelle Diskussionen ein.

Hier also die Kurzfassung meiner Prüfergebnisse.  Außerdem gebe ich ein fiktives Interview, in dem ich kritische Fragen beantworte.

Quelle
Klaus-Peter Dahm: Vom Klimawandel zur Energiewende – Eine umfassende
Prüfung der zugrundeliegenden Annahmen. Verlag Dr. Köster Berlin,
ISBN 978-3-89574- 904-4, 1. Auflage 2016, 257 Seiten, 24,95 €

Siehe auch:
Klaus-Peter Dahm, Detlef Laves, Manfred Merbach:  Der heutige Klimawandel – Eine
kritische Analyse des Modells von der menschlich verursachten globalen Erwärmung.
Mitteilungen Agrarwissenschaften 27. Verlag Dr. Köster Berlin, ISBN 978-3-89574-879-0,
1. Auflage 2015, 162 Seiten, 24,80 €